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Nachlese

Das war der ÖHV-Kongress 2020

Der ÖHV-Kongress ist in diesem Jahr nach Vorarlberg zurückgekehrt, wo in den 70er und 80er Jahren mit den legendären Arlberg-Wochen in Lech und Zürs die Geschichte dieses wichtigsten Treffs der heimischen Tourismusbranche ihren Anfang genommen hatte. Der Treffpunkt diesmal: das moderne Festspielhaus am Seeufer in Bregenz. Mehr als 600 Teilnehmer aus allen Teilen Österreichs, aus der Schweiz, Deutschland und Südtirol fanden sich von Sonntag, 12. Jänner bis Dienstag 14. Jänner im großen Konferenzsaal ein. „Das Hotel als Bühne – die Kunst der Inszenierung“ lautete diesmal das spannende Motto der dreitägigen Veranstaltung.
 
Sonntag, 12. Jänner

Reitterer wünscht sich von der neuen Regierung einen touristischen Turbo


„Wir stehen jeden Tag auf der Bühne, bei uns dreht sich alles um Bühne und Inszenierung. Und wie dieses eindrucksvolle Festspielhaus zeigt, ist gelungene Inszenierung alles“, begrüßte ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer die Festgäste, um gleich darauf mit sichtlicher Freude auf die aktuelle Lage überzuleiten: „Uns ist Großartiges gelungen“. Der Tourismus findet sich gleich mit sieben Seiten im Regierungsprogramm („unter Rot-Schwarz waren es nur wenige Zeilen“). Die programmatischen Verbesserungen reichen von praxisnahen Arbeitsmarktlösungen bis zur vereinfachten Betriebsübergabe. „Darauf müssen wir jetzt aufbauen“, betonte die ÖHV-Chefin, und weitere Verbesserungen anmahnen, von der Anpassung der anachronistischen Abschreibungsfristen bis hin zur Schaffung eines Regelwerks, das Plattformen aber auch den Arbeitgebern gleiche und faire Chancen einräumt. „Dazu erhoffe ich mir mehr als Rückenwind seitens der Regierung, ich wünsche mir eine Windmaschine, einen richtigen Turbo!“
Köstinger: „Machen dort weiter, wo wir im Juni aufhören mussten“

Die jüngste Regierungsbildung war eine anstrengende und herausfordernde Zeit, berichtete Tourismusministerin Elisabeth Köstinger, die von Michaela Reitterer mit besonderer Herzlichkeit begrüßt wurde. Es gab intensive Verhandlungen, das Regierungsprogramm war eine „schwere Übung“, so die „alt-neue“ Ministerin, „doch können wir jetzt dort weitermachen, wo wir im Juni aufhören mussten“. Köstinger erinnerte an die schweren Zeiten, als dem Tourismus von Rot-Schwarz mannigfache Prügel vor die Füße geworfen wurden. Nach dem „Tal der Tränen“, durch das die Branche viele Jahre geschickt wurde, konnte diese Entwicklung 2017 gestoppt werden. Die Situation heute sei mit früher nicht zu vergleichen. Noch bestehende offene Punkte werde man in konstruktiver Arbeit kontinuierlich abbauen. Als einen wesentlichen Schwerpunkt ihres über den Tourismus hinausreichenden Ressorts, bezeichnete die Ministerin den Breitbandausbau („5G“). Dies seien die „Güterwege des 21. Jahrhunderts“. Der Ausbau soll die schlechtere Position der Ferienhotels gegenüber der Stadthotellerie ausgleichen. Großes Potential ortet die Ministerin in der Kulinarik und somit im „erfolgversprechenden Dreieck Tourismus – Landwirtschaft – Kulinarik“.
Politikberater Hofer: „Ent-pört euch! Bleibt im Gespräch!“

Nach der Begrüßung durch Michaela Reitterer setzte Politikberater Thomas Hofer mit seiner politischen Analyse gewohnt routiniert einen weiteren Akzent an diesem Eröffnungsabend. Nach dem Vertrauensverlust der vergangenen Monate sei es der Politik gelungen, wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen. Die neue Regierung, so Hofer, könne international als Vorbild gefeiert werden. Das sei auch ein Symbol dafür, dass es gelingen kann, gesellschaftliche Brüche zu überwinden.
Er hat auch zur kritischen Sicht der politischen Landschaft aufgerufen: „Ent-pört euch! Wir dürfen die politischen Entwicklungen der Vergangenheit, sowohl in Österreich als auch international nicht als Usus hinnehmen. Bleibt im Gespräch!“, forderte Hofer das Publikum auf.
Präsidenten-Talk zu Herausforderungen im Alpenraum

„Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals so viele Präsidenten an unserer Tagung teilgenommen haben. Es freut mich, dass sie unserer Einladung gefolgt sind“, begrüßte Michaela Reitterer ihre Kollegen aus Deutschland, Südtirol und der Schweiz zu einem „Präsidenten-Talk“ über aktuelle Herausforderungen der Hotellerie im Alpenraum. Angela Inselkammer (DEHOGA Bayern), Manfred Pinzger (HGV Hoteliers- und Gastwirteverband Südtirol), Michaela Reitterer (ÖHV) und Andreas Züllig (Hotellerie Suisse) waren sich einig, dass es - bei allen regionalen Unterschieden – viele Themen gibt, die allen gemeinsam sind. „Tauschen wir uns aus, kommen wir ins Tun, um unser Standing zu verbessern“, schlussfolgerte Reitterer.

Hauptsorge der Südtiroler sei es, wie man die Gäste halten könne. Das Land, so Pinzger, hänge sehr stark von Italien ab. Von der Regierung in Rom kommen Vorgaben, die nur sehr schwer umzusetzen sind. Seit 1945 gab es zwar unzählige Regierungen, aber immer noch kein Tourismusministerium. Sehr stark mache sich der Fachkräftemangel bemerkbar. Ähnlich argumentierte auch Angela Inselkammer, die sich eine stärkere Flexibilisierung und ein Umfeld, „in welchem wir selber handeln können“, wünschte. Österreich sei da schon weiter, meintedie DEHOGA-Repräsentantin. „In der Schweiz leben wir zwar in paradiesischen Zuständen“, sagte Züllig. „Es bleiben aber die drei W – Währung, Wirtschaft und Wetter – die uns sehr beschäftigen“.

Die Zeiten haben sich gebessert, sagte Reitterer. „Früher war es schwieriger, da hat man sich in den Ministerien nicht für den Tourismus interessiert. Jetzt haben wir eine Ministerin“. Doch gebe es immer noch Luft nach oben. In jedem Ressort sollte sich jemand um den Tourismus kümmern und ein Entbürokratisierungsbeauftragter steht auch noch auf der Wunschliste.
Mit Stellungnahmen zum Thema Digitalisierung ging die Podiumsdiskussion der Alpen-Präsidenten in die Endrunde. Die Hotellerie sei die am meisten digitalisierte Branche des Landes, behauptet Inselkammer. Dabei sei die Digitalisierung immer nur Mittel zum Zweck, am wichtigsten bleibe der Kontakt zum Gast.

Der Alpenraum hat eine große Zukunft, war man sich abschließend einig. Sicherheit, Ordnung und Entschleunigung in Naturräumen sind zunehmend gefragt. Was alle beteiligten Länder brauchen können, sind politisches Verständnis, einen Austausch der Fachkräfte sowie Deregulierung. „Man muss nicht alles in Gesetzte gießen. wünschen sich Züllig und Pinzger.

Mit Grußworten der Politik sowie von Heike Strolz, der ÖHV-Vertreterin im Ländle ging die Kongress-Eröffnung zu Ende. Es folgte ein bunter Abend im Festspielhaus mit artistischer und kulinarischer Unterhaltung, die von den über 500 Festgästen freudig beklatscht wurde.
Montag, 13. Jänner

Die ÖHV war in Sachen Nachhaltigkeit sehr erfolgreich. Diese Kompetenz hat sie im vergangenen Jahr mit ihrer Road Show deutlich unterstrichen. Auch heuer geht die ÖHV wieder „on the road“. Das hochaktuelle Thema diesmal: der Online-Vertrieb in all seinen Facetten. „Wir fragen, was die Gäste vom Direktvertrieb halten, und werden uns die Nichteinhaltung der Ratenparität ganz genau anschauen. Wir werden Material sammeln und gegebenenfalls auch Klage einbringen“, kündigte Reitterer zum Auftakt des ÖHV-Kongresses an. In einem kurzen Rechenschaftsbericht verwies die Präsidentin auf bisherige Erfolge, wie Abschaffung der Auflösungsabgabe, die Verbesserung der Saisonarbeiterkontingente oder die Anerkennung des neuen Berufsbildes „Hotelkaufmann“, erinnerte jedoch gleichzeitig daran, dass die Hoteliers ihr Geld nach wie vor am freien Markt verdienen müssen. „Wir können bei den derzeitigen Belastungen nicht auch noch Löhne zahlen, wie sie aktuell im Burgenland gefordert werden“, betonte sie mit Nachdruck.
Wehling: Vorsicht beim Framing – Die Wahrheit ist immer noch die beste Inszenierung

Mit Framing, Fake News und der Macht der Sprache befasste sich die erste Referentin dieses Vormittags, die Kognitionsforscherin Elisabeth Wehling. „Frames“ ermöglichen kognitives Denken, sie werden benötigt, um Fakten Sinn zu geben. Im Gehirn produzieren sie eine „Stoßwelle von (meist unreflektierten) Assoziationen“. Sie werden genutzt, um abstrakte Dinge „greifbarer zu machen“. Ohne Aktivierung von Affekten (positiven Emotionen) kann der Mensch keine Entscheidungen treffen, erklärte die Referentin. Frames entsprechend zu adjustieren ist eine erfolgreiche Strategie, die auch für den Tourismus gilt: „The game is the frame“, lautet die Devise, womit Wehling einen großen Bogen zum Hauptthema des Kongresses „Das Hotel als Bühne – die Kunst der Inszenierung“ spannte. Je öfter ein Framing gebraucht wird, desto mehr setzt es sich durch und wird zum Klischee. Mit dem Framing „Sharing Economy“ beispielsweise assoziiert man etwas Wunderbares („sharing is caring“), auch wenn die Realität mitunter anders aussieht. Wie wäre es etwa, würde man die „Sharing Economy“ ganz unsentimental als „unprotected economy“, „uninsured economy“ oder “poorly regulated economy” bezeichnen? Die Wirkung dieser Frames sähe gleich ganz anders aus. Den Hoteliers riet sie zur Vorsicht beim Schaffen von Frames. „Ein sorgloser Umgang mit Sprache ist gefährlich. Die eigene Wahrheit ist immer noch die beste Inszenierung. Eine erfolgreiche Geschichte lebt von Authentizität und von Werten, die für das Gehirn greifbar sind“, schloss die Rednerin, die zu diesem Thema auch ein Buch („Politisches Framing“) veröffentlicht hat.
Henning: „Ich liebe das Utopische, wenn ich in ein Hotel komme“

„Ich glaube an Geschichten. Und ich liebe das Utopische, wenn ich in ein Hotel komme. Wenn mich dort ein Angebot für eine andere Gegenwart erwartet als meine eigene“, stellte Rupert Henning, Schriftsteller, Schauspieler, Theater- und Filmregisseur, gleich anfangs eine Verbindung zum Theater mit seinen vielfältigen Inszenierungen her. Beide, das Hotel wie Theater, sind „Utopienermöglicher“, und das sei durchaus ernst zu nehmen. „Wir alle spielen. Man muss nur aufpassen, dass man sich nicht verstellt“, führte der bekannte Dramatiker aus, der seinen Vortrag, frei nach Shakespeare, unter das Motto „Die ganze Welt ist Bühne“ gestellt hatte.

Wie im Theater gebe es auch in der Kunst des Gastgewerbes keine absoluten Wahrheiten. Die Inszenierung lebt vom Mut, man selbst zu sein. Auch wenn es inszeniert ist, kann es authentisch sein. „Erzählen sie Geschichten! Geschichten sind wichtig“, forderte Henning seine Zuhörer auf. „Schaffen Sie ein Bewusstsein. Ein Hotel hat eine Geschichte und eine Haltung. Entscheidend ist, dass sich alle auf Augenhöhe begegnen“. Wenn der Gast das Hotel verlässt, sollte etwas da sein, das bleibt. Sofern das Hotel eben Charakter besitzt.

Im Hotel, so Henning weiter, zähle nicht so sehr der Effekt, es gehe vielmehr um Charakter. Und diesen spürt der Gast. Der Schein, sei er auch noch so schön, kann nicht darüber hinwegtäuschen, wenn der Charakter fehlt. Und eine Person allein kann kein Hotel führen („mit einer Hand kann man keinen Knoten knüpfen“). Deshalb gilt: „Das wichtigste sind Sie! Sie und Ihr Team!“.
Dahmen: „Kill your comfort zone!” Der tägliche Kampf um die perfekte Inszenierung

Als Hotelier haben Sie eine schwere Aufgabe: Sie müssen alles besser machen. Werden Sie dabei kritisiert - etwa auf Plattformen - so lassen Sie sich nicht umhauen. Schlagen Sie zurück, rät Zukunftsforscher und Visionär Dietmar Dahmen seinen Zuhörern: Reden können die anderen, aber handeln können nur Sie selbst. Gehen Sie durch die Wand des Wiederstandes. Die erste Wand ist die Digitalisierung, die zweite Wand die künstliche Intelligenz. Und die dritte Wand, so Dahmen, heißt Blockchain. Der Fort-Schritt passiert, man muss mit-gehen.

Mit beiden Beinen am Boden kommen Sie nicht weiter. Sie brauchen, neben dem Standbein, auch ein Spielbein. „Haben Sie Mut zur Disruption!“, rief Dahmen, während er publikumswirksam und äußerst temperamentvoll über die Bühne rockte. „Denken Sie nicht zu viel nach. Vermeiden Sie die Analyse-Paralyse. Analysieren Sie sich nicht zu Tode. Kill your comfort zone!“.

Imdorf: „Hotellerie – die erweiterte Form der schönen Künste“

Die Hotellerie per se ist darstellende Kunst. Das „szenische Erleben“ ist Grundmotiv dieses modernen Theaters, erklärte der Schweizer Strategie- und Erlebnisplaner Matthias Imdorf, dessen Vortragstitel „Hotellerie – die erweiterte Form der schönen Künste“ Michaela Reitterer schon bei der Eröffnung begeistert hatte.

Das methodische Inszenieren im Tourismus setzt sich, so Imdorf, aus fünf Schritten zusammen:
-das Leitbild (Vision & Mission und Sinngebung), wird über Themen inszeniert,
-der Stoff, die Story (Emotionalisierung, Leitmotiv, Symbole, Metaphern),
-das Bühnenbild – noch komplexer als das Bühnenbild im Theater,
-die Bühnenpräsenz (das Stück wird aufgeführt) – Standards und Routine stehen dabei immer noch im Vordergrund,
-der strategische Fokus (erörtern, einschätzen, testen, beurteilen) – Was bringt es den Gästen?
Besonders wichtig ist es, das szenische Wirken zu überprüfen. Kann ich damit Kunden beeinflussen, Begeisterung schaffen und damit letztlich die Buchungen steigern?

Die Präsentation zum Download finden Sie hier.
Panel-Diskussion über „Inszenierung im Tourismus“

Gleich fünf namhafte Touristiker folgten zur anschließenden Diskussion über „Inszenierung im Tourismus“ aufs Podium: Matthias Imdorf (Erlebnisplan), Ellen Nenning (GAMS zu Zweit in Bezau), Philipp Patzel (Esterházy Betriebe), Andreas Steibl (Tourismusverband Paznaun – Ischgl) und Gerhard Wendl (JUFA Hotels). Ausgezeichnet und schwungvoll moderiert, wie übrigens die ganze Tagung, wurde das Gespräch von Mag. Ute Pichler (ORF).

Für Steibl ist Inszenierung ein absolutes Muss. Die Zielgruppe für Ischgl sind Leute, die sich gerne selber in Szene setzen, der Showfaktor („Bühne der Eitelkeit“) ist daher ganz wichtig. „Ischgl inszeniert sich selber und bietet eine Bühne für alle, die sich inszenieren wollen“, formulierte der in Szene-Fragen erfahrene Touristiker. Aber Achtung: das Qualitätsversprechen muss gegeben sein. Für JUFA-Pionier Wendl ist es jedenfalls angesagt, auch Einheimische mit ins Boot zu holen, sie einzubinden und Authentisches zu zeigen. Für Imdorf geht es im Tourismus darum, auf offensichtlich ganz unterschiedliche Nachfragen sinnvoll einzugehen. Es ist daher eine Frage der strategischen Zielformulierung, ob und wie weit Inszenierung greift. Man müsse sich entscheiden, so Patzel, in welcher Phase man mit seiner Inszenierung einsteigen will. Meist genügt es, das bestehende Produkt zu inszenieren. Die Inszenierung geht so weit, so weit wir sie zulassen, warf Ellen Nenning ein. Wenn man ein Thema hat, ist´s leichter. „Ich selber habe zehn Jahre gebraucht, die Inszenierung zu ändern“.

Das klassische Muster der Gästeschichten löst sich auf, das eröffnet Tourismusunternehmen neue Chancen, meinte Wendl. Man muss eine Inszenierung nicht immer wieder neu- und umdenken, meinte Imdorf. Wichtig sei, auf Gästebedürfnisse richtig zu reagieren. „Ich kann eine Inszenierung nur starten, wenn ich eine klare Position habe und weiß, wo ich hin will und wen ich ansprechen möchte.“, unterstrich Steibl. Für Ischgls spezifische Zielgruppe gibt es keine Alternative, wiederholte er. Basis für alles ist das Schifahren. Dazu kommt das Entertainment.

„Das Gebäude ist Teil der Inszenierung. Aber nur dann, wenn die Inszenierung stimmig ist, kann das Gebäude helfen.“, sagte Nenning in der Schlussrunde. „Zu den Basisfunktionen wie Wärme und Geborgenheit soll auch die eigene Geschichte nicht vergessen werden. Wenn es darum geht, eine bestimmte Inszenierung durchzuziehen.“, räumte Experience Designer Patzel ein.

Mit einem schwungvollen Abend auf dem Eventschiff „Sonnenkönigin“ („das größte Eventschiff Mitteleuropas“) und einer Fahrt entlang dem Vorarlberger und deutschen Bodenseeufer ging dieser Kongresstag überaus stilvoll zu Ende.
Dienstag, 14. Jänner

Lüth: Inszenierung durch Architektur und Design


Nach Ansicht des Tiroler Architekten Patrick Lüth geht es um mehr als um Bühne und Inszenierung. Es geht um Raum. Der erste Eindruck entscheidet. Eindrucksvoll zeigte Lüth anhand verschiedener, hauptsächlich in Skandinavien realisierter Projekte, wie man mit Architektur inszenieren kann. Dazu zählen etwa die Oper in Oslo sowie außergewöhnliche Hotel- und Gastroprojekte in nordischen Ländern. Aber auch hierzulande hat das Snöhetta Studio (Innsbruck) schon von sich Reden gemacht, etwa mit dem „Kinderturm“ („nicht so aufdringlich kindlich wie die meisten anderen Spielplätze“) in den Swarovski Kristallwelten oder das Falkensteiner 5-Sterne-Familienhotel in Latschau, Montafon. Der Gedanke hier war: „Für meine Kinder und mich“. Diese Philosophie wird bis ins letzte Detail durchgezogen.

Pfaff: Inszenierung von Hotelmarken in der Konzernhotellerie

Die Markenvielfalt bietet die ideale Bühne für Inszenierungen, um den verschiedensten Bedürfnissen der Gäste gerecht zu werden, erklärte Volkmar Pfaff, Geschäftsführer der Accor Hotels Deutschland und Österreich. Die Vielfalt von mittlerweile 39 Brands erlaubt es, die richtige Marke für die richtige Zielgruppe zu positionieren. Mit „Live“, „Work“, „Play“, „Business“ und “Accelerators“ werden alle Strategie-Felder abgedeckt.

Die Inszenierung selbst ist immer abhängig von den Darstellern, also von den Mitarbeitern und der gesamten Mannschaft. „Wir brauchen viele Bühnen. In der Markenvielfalt liegt die Zukunft. Die Vielfalt entsteht durch unsere ganz unterschiedlichen Akteure“, fasste Pfaff zusammen. „Und unsere Transformation geht weiter“. Accor ist nach den Worten Pfaffs der größte Hotelbetreiber der Welt (mit 4.900 Hotels und 720.000 Zimmern in 110 Ländern).

Die Präsentation zum Download finden Sie hier.


Schmuck: Authentizität versus Inszenierung in der Ferienhotellerie

Das Forsthofgut blickt auf über 400 Jahre Geschichte zurück. Von 2006, der Übernahme durch Christoph Schmuck, bis 2019 hat sich die Zahl der Zimmer von 30 auf 102 und jene der Betten von 80 auf 260 erhöht. Christoph Schmuck ist klar geworden, welche Geschichte er erzählen will. Er will ein „Ich will Dich“ schaffen. Eine starke Marke, die Geschichten erzählt, die die Leute hören wollen. „Denn die Menschen kaufen nicht, was man macht, sondern sie kaufen, warum man es macht“, sagt er in seinem Vortrag: “Aber nicht nur wir schaffen Erlebnisse und erzählen Geschichten, es geht auch darum, welche Geschichten die Gäste über uns erzählen“. Daraus ergibt sich: die Gäste zu Markenbotschaftern zu machen.

Das Hotel ist nur direkt buchbar, aber zehn Prozent des Umsatzes werden für Marketing ausgegeben. Das Ziel ist „die richtige Botschaft für den richtigen Gast zur richtigen Zeit zum richtigen Preis über den richtigen Kanal“. Der Gast kauft, womit er sich identifiziert. Wenn es darum geht, neue Gäste zu gewinnen, erzielt das Ehepaar Schmuck die besten Erfolge mit Instagram.

Erfolgsfaktoren sind nach Ansicht von Schmuck, der am MCI Tourismusmanagement studierte und im Anschluss die ÖHV Unternehmerakademie absolvierte: kurze Entscheidungswege, homogene Strukturen, Innovationsgeist, klare Werte und Ziele sowie eine klare Strategie und Positionierung. Und nicht zu vergessen: Man muss auch eine erzählenswerte Geschichte haben. „Schreiben Sie Ihre eigene, ganz persönliche Erfolgsgeschichte!“, appellierte er abschließend an die Kollegenschaft.

Die Präsentation zum Download finden Sie hier.
Gretzel: „Vorhang auf, die Influencer sind da!“

Dr. Ulrike Gretzel, Kommunikationswissenschaftlerin und Social Media Expertin an der University of Southern California, informierte das zum Teil staunende Publikum (sofern es nicht schon durch Kinder oder Enkel „vorinformiert“ war) über die aktuellen, bei der Jugend beliebten „Social Videos“ wie TikTok, Snapchat oder WeChat. Das „Hotel als Bühne“ spielt auf diesen Kanälen, zumindest derzeit, noch eine unbedeutende Rolle. Ganz anders ist dies bei den sogenannten Influencern auf Instagram. Hier geht es für den Hotelier darum, zu erkennen, wer ein wertvoller Influencer ist und wer nur einen Gratisurlaub haben möchte, formulierte die Kommunikationsberaterin. Auf Instagram gefragt sind Rezepte, Humor und Inhalte, die zum Teilen einladen. Nicht zu vergessen die beliebten Katzen-Videos. Hotelkatzen wurden schon mehrmals in prominenter Position gesichtet. „Wenn Sie noch keine Hotelkatze haben, haben Sie ein Problem“, wandte sich Gretzel scherzend an das Auditorium. Viele Firmen arbeiten auch gerne mit kleinen Gruppen („Nano-Influencer“) zusammen. Es gibt bereits Kampagnen für ganze Orte, wie z.B. Benidorm in Spanien, in der Hotellerie ist man aber noch nicht so weit. Gang und gäbe ist es hingegen vielerorts, dass Hotels auf WeChat kommunizieren. Dies trifft vor allem auf Asien und Teile Lateinamerikas zu.

Wichtig sind natürlich die schon lange bekannten Bewertungsplattformen. Bedauerlich, so Gretzel, dass es noch immer Hotels gibt, die diese ignorieren. „So verliert man Kunden“, sagte die Expertin. Inzwischen gibt es schon mehr mobile als Desktop-Bewertungen. Das Problem dabei: mobile Bewertungen sind viel stärker emotional. Bei emotionalen Bewertungen zeigt sich ein Phänomen, das im Fachjargon als „Heiligenschein“- und „Horn“-Effekt bekannt ist: im Zuge eines rasch niedergeschriebenen Features wird gleich alles entweder sehr positiv oder sehr negativ bewertet. Es empfiehlt sich daher, nach einer „Horn“-Kritik schnell den Kontakt mit dem Autor aufzunehmen.

Insgesamt ist der ganze Sektor sehr dynamisch. Wenn man nicht aufpasst, kann man leicht einen „Social Media Herzinfarkt“ bekommen, meinte die in USA tätige Referentin. Man kann nicht überall präsent sein. Man muss schauen, wo und wie man seine Zielgruppe am besten erreicht. Für alle Kanäle gilt: Authentische Inhalte zeigen die größte Wirkung.

Die Präsentation zum Download finden Sie hier.
Asmus: Die Inszenierung der Strategischen Kommunikation

„Wir folgen in der Regel einer 3-teiligen Story: drei Schlüsselbotschaften und oben drüber noch eine Kernbotschaft. Damit erschließen wir uns die Welt in einer 3-er-Gliederung, wie beispielsweise: Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft“, umriss der Regisseur und Kommunikationsexperte Frank Asmus die der Kommunikation zugrundeliegende Dramaturgie.

In der Dramaturgie gehe es eindeutig um Klarheit. „Ich rate Ihnen, glasklar zu sein“, betonte Asmus. Klare Kommunikation koste zwar etwas, hat jedoch den Vorteil, selbsterklärend zu sein. Die Kommunikation sei jedenfalls dann stark, wenn sie klar ist.

„Bei jeder Inszenierung“, so Asmus weiter, „stelle ich mir die Frage: Was braucht das Publikum?“ Neben den Grundbedürfnissen wie Sicherheit sind auch Abwechslung, Zugehörigkeit, Bedeutsamkeit und Wachstum zu berücksichtigen. Immer stärker in den Vordergrund rücke zudem der Wunsch, „einen Beitrag zu leisten“. Dieses Phänomen, meinte der Experte für Strategische Führungskommunikation, werde auch für die Hotellerie immer wichtiger. Parallel dazu wächst der Wunsch nach einem nachhaltigen Urlaub. Es geht um Identifikation; Menschen folgen Menschen.
Manfred Rauchensteiner und wie man das eigene Glück inszeniert

Die Zeit, in der man unglücklich ist, sollte man möglichst einschränken. Denn unglücklich sein schränkt extrem die Denkfähigkeit ein, eröffnete Glücksforscher Manfred Rauchensteiner seinen Beitrag. Natürlich ist jeder frei, sich lange zu ärgern, doch beeinflusst dies den Körper massiv negativ. Du könntest jetzt auch glücklich sein. Doch mit dem Ärger schadest Du nur der Gesundheit.

Entgegen der landläufigen Meinung ist geteiltes Leid nicht halbes Leid. Geteiltes Leid wird nicht weniger, sondern es potenziert sich, eröffnete der auch als Buchautor („Glücklich leben“) bekannte Glücksforscher. Alles was man teilt wird größer. Sich Sorgen machen, sagte er, sei überhaupt eine der schlimmsten Eigenschaften. „Das einzige, was Du in Deinem Leben wirklich willst, ist, dass es Dir gut geht“. Und wenn es Dir gut geht, so der Redner, dann bist Du die beste Hilfe für alle Leute, mit denen Du in Kontakt kommst. Du hast es immer zu 100 Prozent in Deiner Hand.


Nächster ÖHV-Kongress: Sonntag, 17. bis Dienstag, 19. Jänner 2021 in LINZ

Mit einem geselligen Farewell im Festspielhaus durch Präsidentin Michaela Reitterer („es waren drei unglaubliche Tage“), dem Dank an die Organisatoren, den Sponsoren und einem herzlichen Dankeschön an die beteiligten Tourismusschulen – deren engagierte Schülerinnen und Schüler auf die Bühne gebeten wurden – und der Vorstellung des nächstjährigen Tagungsortes ging dieser Kongress erfolgreich zu Ende. Auf Wiedersehen in Linz vom 17. Bis 19. Jänner 2021!